Linsenbasierte Sehkorrektur

Refraktive Eingriffe: CLE oder IPCL?

Wir bieten zwei linsenbasierte Verfahren zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten an. Welche Methode sinnvoll ist, hängt nicht allein von den Dioptrien ab, sondern von Alter, natürlicher Linse, Anatomie des Auges und Ihren persönlichen Sehbedürfnissen.

Zwei Verfahren – sorgfältig gewählt

Eine gute Entscheidung beginnt mit dem Unterschied.

Bei der Clear Lens Extraction (CLE) wird die noch klare oder nur gering getrübte körpereigene Linse entfernt und durch eine individuell berechnete Kunstlinse ersetzt. Im Deutschen wird das Verfahren meist als refraktiver Linsenaustausch bezeichnet.

Bei der Implantable Phakic Contact Lens (IPCL) bleibt die körpereigene Linse im Auge. Zusätzlich wird eine individuell angefertigte Kunstlinse eingesetzt, die Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung ausgleichen kann. Spezielle IPCL-Modelle können darüber hinaus auch Alterssichtigkeit korrigieren.

Beide Verfahren korrigieren Fehlsichtigkeiten mithilfe einer Linse im Inneren des Auges. Anders als bei LASIK oder anderen Augenlaser-Verfahren wird die Hornhaut dabei nicht zur Korrektur abgetragen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Brille oder Kontaktlinsen deutlich zu verringern. Ob vollständige Brillenfreiheit erreichbar ist, hängt vom individuellen Befund und vom gewählten Linsenkonzept ab.

Die Verfahren im Detail

Was geschieht bei der Operation?

Beide Verfahren werden individuell geplant und ambulant durchgeführt. Die folgenden Beschreibungen zeigen das Grundprinzip; der konkrete Ablauf kann je nach Auge und gewähltem Linsenmodell abweichen.

01Natürliche Linse bleibt erhalten

IPCL – zusätzliche Linse im Auge

Die faltbare IPCL wird über einen kleinen Zugang am Rand der Hornhaut in das Auge eingebracht. Sie liegt hinter der Iris und vor der natürlichen Linse. Dort ergänzt sie die Brechkraft des Auges, ohne Hornhautgewebe abzutragen und ohne die natürliche Linse zu entfernen.

Wesentliche Vorteile

  • Erhalt der natürlichen Linse und ihrer noch vorhandenen Akkommodation
  • Interessant bei höheren Fehlsichtigkeiten oder wenn ein Hornhautlaser nicht sinnvoll ist
  • Keine laserbedingte Veränderung der Hornhautform
  • Je nach Befund und Modell Korrektur von Astigmatismus möglich
  • Presbyopiekorrigierende Modelle können Ferne, Zwischenbereich und Nähe abbilden
  • Linse kann bei medizinischer Notwendigkeit operativ entfernt oder ausgetauscht werden

Wichtig: „Entfernbar“ bedeutet nicht risikofrei oder vollständig reversibel. Die natürliche Linse kann sich später eintrüben und regelmäßige Langzeitkontrollen bleiben notwendig.

02Natürliche Linse wird ersetzt

CLE – refraktiver Linsenaustausch

Bei der CLE wird die natürliche Linse mit einer Technik entfernt, die der modernen Kataraktoperation entspricht. In den erhaltenen Kapselsack wird eine exakt berechnete Kunstlinse eingesetzt. Ihre optische Auslegung wird an Befund und gewünschte Sehentfernungen angepasst.

Wesentliche Vorteile

  • Korrektur hoher Kurz- oder Weitsichtigkeit sowie regulären Astigmatismus möglich
  • Linsenkonzepte für Ferne, Zwischenbereich und – bei geeigneten Augen – Nähe verfügbar
  • Eine spätere Eintrübung der natürlichen Linse ist ausgeschlossen
  • Besonders interessant, wenn Alterssichtigkeit oder frühe Linsenveränderungen bereits relevant sind
  • Keine laserbedingte Veränderung der Hornhautform

Wichtig: Die natürliche Linse wird dauerhaft entfernt. Damit geht ihre noch vorhandene Akkommodation verloren; auch moderne Kunstlinsen bilden das natürliche Sehen nicht vollkommen nach.

Direkter Vergleich

CLE und IPCL auf einen Blick.

Die Tabelle zeigt typische Unterschiede. Sie ersetzt keine individuelle Indikationsstellung.

KriteriumIPCLCLE
GrundprinzipEine zusätzliche Linse wird hinter der Iris und vor der natürlichen Linse eingesetzt.Die natürliche Linse wird entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt.
Natürliche LinseBleibt erhalten – und damit bei jüngeren Menschen grundsätzlich auch ihre Akkommodationsfähigkeit.Wird dauerhaft ersetzt. Die natürliche Akkommodation geht verloren.
Typische LebensphaseHäufig Erwachsene mit klarer natürlicher Linse und stabiler Fehlsichtigkeit; mit einem geeigneten presbyopiekorrigierenden Modell auch bei Alterssichtigkeit.Häufig Menschen mit Alterssichtigkeit, höherer Weitsichtigkeit oder ersten Linsenveränderungen.
FehlsichtigkeitBesonders interessant bei höherer Kurzsichtigkeit und Astigmatismus; je nach Linsenmodell sind weitere Korrekturen möglich.Kann Kurz-, Weit- und Stabsichtigkeit korrigieren; die Zielentfernung hängt von der gewählten Kunstlinse ab.
AlterssichtigkeitSpezielle presbyopiekorrigierende IPCL-Modelle können Alterssichtigkeit korrigieren und Ferne, Zwischenbereich sowie Nähe abbilden. Eignung und erreichbarer Sehbereich hängen vom Auge und vom konkreten Linsenmodell ab.Kann mit monofokalen, torischen, EDOF- oder multifokalen Linsenkonzepten geplant werden – jeweils mit eigenen optischen Vor- und Nachteilen.
HornhautEs wird kein Hornhautgewebe zur Korrektur abgetragen.Es wird ebenfalls kein Hornhautgewebe zur Korrektur abgetragen.
RückgängigkeitDie Linse kann grundsätzlich operativ entfernt oder ausgetauscht werden. Eine vollständige Rückkehr zum ursprünglichen Zustand ist jedoch nicht garantiert.Der Austausch der natürlichen Linse ist nicht rückgängig zu machen.
Spätere EntwicklungDa die natürliche Linse bleibt, kann später weiterhin ein Grauer Star entstehen.An der entfernten Linse kann kein Grauer Star mehr entstehen; ein behandelbarer Nachstar ist dennoch möglich.
Für wen eignet sich was?

Nicht das Alter allein entscheidet.

Lebensphase und Fehlsichtigkeit geben eine Richtung vor. Entscheidend sind aber immer die vollständige Anatomie, die Augengesundheit und realistische Erwartungen.

IPCL ist häufig eher geeignet, wenn …
  • Sie erwachsen sind und Ihre Brillenwerte seit längerer Zeit stabil sind.
  • Ihre natürliche Linse klar ist und die Akkommodation möglichst erhalten bleiben soll.
  • eine mittlere bis hohe Kurzsichtigkeit oder ein korrigierbarer Astigmatismus besteht.
  • Alterssichtigkeit besteht und ein presbyopiekorrigierendes IPCL-Modell anatomisch und optisch zu Ihren Augen passt.
  • eine Laserbehandlung wegen Korrekturstärke, Hornhautdicke, Hornhautform oder trockener Augen nicht die bevorzugte Lösung ist.
  • Vorderkammertiefe, Kammerwinkel, Pupille und Endothelzellzahl genügend Sicherheitsreserve bieten.
  • Netzhaut, Sehnerv und Augeninnendruck keinen relevanten Hinderungsgrund zeigen.

Warum? Bei einem jüngeren Auge ist die natürliche Linse meist noch klar und beweglich. Ihr Erhalt bewahrt die vorhandene Fähigkeit zum Scharfstellen in der Nähe. Bei bestehender Presbyopie kann ein speziell ausgelegtes IPCL-Modell den Sehbereich zusätzlich für Ferne, Zwischenbereich und Nähe erweitern, ohne die natürliche Linse zu entfernen.

CLE ist häufig eher geeignet, wenn …
  • Alterssichtigkeit bereits deutlich ausgeprägt ist und die natürliche Akkommodation kaum noch Nutzen bringt.
  • eine höhere Weitsichtigkeit vorliegt oder mehrere Sehentfernungen linsenbasiert geplant werden sollen.
  • erste Veränderungen der natürlichen Linse bestehen oder ein späterer Grauer Star absehbar ist.
  • eine IPCL wegen Alter, Anatomie, zu geringer Vorderkammertiefe oder anderer Messwerte nicht sinnvoll ist.
  • Sie die dauerhafte Entfernung der natürlichen Linse und die optischen Eigenschaften der gewählten Kunstlinse nach ausführlicher Beratung akzeptieren.

Warum? Wenn die natürliche Linse bereits an Flexibilität verliert oder sich leicht eintrübt, kann ihr Austausch sowohl die Fehlsichtigkeit korrigieren als auch die Alterssichtigkeit berücksichtigen. Ein späterer Grauer Star der natürlichen Linse kann danach nicht mehr entstehen.

Besondere Zurückhaltung ist notwendig

Bei hoher Kurzsichtigkeit kann ein Linsenaustausch das ohnehin erhöhte Risiko einer Netzhautablösung weiter beeinflussen. Auch Erkrankungen von Hornhaut, Netzhaut, Makula oder Sehnerv, Glaukom, Entzündungen, instabile Brillenwerte, Schwangerschaft und Stillzeit oder unrealistische Erwartungen können gegen einen Eingriff sprechen oder eine Verschiebung erforderlich machen.

Sicherheit vor Schnelligkeit

Was wir vor einer Empfehlung untersuchen.

Erst die Kombination aller Messwerte erlaubt eine verantwortungsvolle Entscheidung und eine präzise Linsenberechnung.

01

Refraktion und Stabilität

Brillenwerte, bestkorrigierte Sehschärfe und Verlauf der Fehlsichtigkeit werden geprüft. Kontaktlinsen müssen vor den Messungen gegebenenfalls pausiert werden.

02

Hornhaut und Vorderabschnitt

Topografie, Keratometrie, Hornhautdicke, Vorderkammertiefe, Kammerwinkel, Pupillengröße und Endothelzellzahl zeigen, ob genügend anatomischer Raum und Sicherheitsreserve vorhanden sind.

03

Linse, Netzhaut und Sehnerv

Die natürliche Linse wird auf Trübungen untersucht. Nach Pupillenerweiterung beurteilen wir Makula und Netzhaut; außerdem werden Augeninnendruck und Sehnerv berücksichtigt.

04

Sehziele und Alltag

Beruf, Bildschirmarbeit, Lesen, Autofahren bei Nacht, Sport und die persönliche Toleranz gegenüber Halos oder einer möglichen Restbrille fließen in die Entscheidung ein.

Linsenwahl bei CLE

Der Sehbereich ist planbar – aber nicht ohne Kompromisse.

Die Kunstlinse wird nicht nur nach Dioptrien ausgewählt. Entscheidend sind optische Qualität, Astigmatismus, Pupille, Hornhaut, Makula, Sehnerv und Ihre Prioritäten im Alltag.

01

Monofokal

Priorisiert meist eine Entfernung, häufig die Ferne. Die Abbildungsqualität ist in der Regel sehr klar; für Nähe oder Zwischenbereich wird meist eine Brille benötigt.

02

Torisch

Korrigiert zusätzlich einen regelmäßigen Astigmatismus. Torische Optik kann mit unterschiedlichen Sehkonzepten kombiniert werden und muss exakt ausgerichtet werden.

03

EDOF

Erweitert den Sehbereich häufig von der Ferne in den Zwischenbereich. Für kleine Schrift kann weiterhin eine Lesebrille nötig sein; Halos und Kontrastveränderungen sind möglich.

04

Multifokal

Verteilt Licht auf mehrere Sehentfernungen und kann die Brillenabhängigkeit stärker reduzieren. Dafür können Halos, Blendung und geringerer Kontrast stärker wahrgenommen werden.

Nutzen und Grenzen

Was Sie vor der Entscheidung wissen sollten.

Jeder refraktive Eingriff ist eine freiwillige Operation an einem Auge, das mit Brille oder Kontaktlinsen häufig gut korrigierbar ist. Nutzen und Risiken müssen deshalb besonders sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Mögliche gemeinsame Begleiterscheinungen

  • Restfehlsichtigkeit und weiterhin notwendige Brille
  • Blendung, Halos oder schwächeres Kontrastsehen, besonders nachts
  • vorübergehende Entzündungsreaktion, Druckschwankungen oder verzögerte Heilung
  • seltene, aber ernste Risiken wie Infektion, Blutung, Netzhautproblem oder dauerhafte Sehverschlechterung
  • mögliche Folgeeingriffe zur Korrektur, Linsenpositionierung oder Behandlung von Komplikationen

Zusätzlich bei IPCL relevant

  • ungeeigneter Abstand zur natürlichen Linse oder Iris („Vault“)
  • Anstieg des Augeninnendrucks oder Beeinflussung des Kammerwinkels
  • Verlust von Hornhaut-Endothelzellen
  • Entwicklung einer Linsentrübung beziehungsweise eines Grauen Stars
  • Notwendigkeit regelmäßiger langfristiger Kontrollen

Zusätzlich bei CLE relevant

  • dauerhafter Verlust der natürlichen Akkommodation
  • Nachstar, der später eine Laserbehandlung erforderlich machen kann
  • Abweichung vom berechneten Refraktionsziel
  • Makulaödem oder andere aus der Kataraktchirurgie bekannte Risiken
  • besonders sorgfältige Netzhautabwägung bei hoher Kurzsichtigkeit
Operation und Nachsorge

Präzise geplant, engmaschig begleitet.

Der Eingriff erfolgt über einen kleinen Zugang am Auge und wird in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Nach der Operation verwenden Sie die verordneten Augentropfen und kommen zu festgelegten Kontrollen. Reiben am Auge, Schwimmen, Make-up am Auge, schwere körperliche Belastung und Sport müssen vorübergehend vermieden werden – die konkreten Zeiträume legen wir individuell fest.

Bitte melden Sie sich nach einer Operation unverzüglich, wenn Schmerzen, zunehmende Rötung, eine deutliche Sehverschlechterung, Lichtblitze, viele neue schwarze Punkte oder ein Schatten im Gesichtsfeld auftreten.

Häufige Fragen

Gut informiert entscheiden.

Alle Antworten dienen der allgemeinen Orientierung. Die persönliche Empfehlung entsteht erst nach vollständiger Untersuchung und Aufklärung.

Bin ich nach CLE oder IPCL garantiert brillenfrei?

Nein. Beide Verfahren können die Abhängigkeit von Brille oder Kontaktlinsen deutlich reduzieren, eine vollständige Brillenfreiheit lässt sich aber nicht garantieren. Eine Restfehlsichtigkeit, Veränderungen im Heilungsverlauf oder besondere Sehaufgaben können weiterhin eine Brille erforderlich machen.

Ist die IPCL wirklich reversibel?

Die IPCL kann grundsätzlich in einem weiteren Eingriff entfernt oder ausgetauscht werden. Das ist ein wichtiger Unterschied zur CLE. Dennoch ist der Eingriff nicht folgenlos rückgängig zu machen; eine Rückkehr zum exakt ursprünglichen Zustand kann nicht zugesichert werden.

Kann eine IPCL auch Alterssichtigkeit korrigieren?

Ja. Dafür gibt es speziell presbyopiekorrigierende IPCL-Modelle mit einer Optik für Ferne, Zwischenbereich und Nähe. Ob ein solches Modell geeignet ist, hängt unter anderem von der Augenanatomie, Pupille, Netzhaut, Sehnerwartung und der persönlichen Toleranz gegenüber möglichen Halos oder Kontrastveränderungen ab.

Kann nach einer IPCL noch ein Grauer Star entstehen?

Ja. Weil die natürliche Linse im Auge bleibt, kann sie sich später eintrüben. In diesem Fall kann eine Kataraktoperation notwendig werden; dabei wird die IPCL entfernt und die natürliche Linse durch eine Kunstlinse ersetzt.

Kann nach einer CLE ein Grauer Star entstehen?

Nein, denn die natürliche Linse wurde bereits entfernt. Hinter der Kunstlinse kann sich jedoch die Linsenkapsel eintrüben. Dieser sogenannte Nachstar lässt sich meist mit einer kurzen Laserbehandlung behandeln.

Welche CLE-Linse ist die beste?

Es gibt keine für alle Menschen beste Linse. Monofokale Linsen priorisieren meist eine Entfernung und bieten häufig eine sehr klare Abbildung. Torische Varianten korrigieren regulären Astigmatismus. EDOF- und multifokale Konzepte können den Sehbereich erweitern, können aber Halos, Blendung oder eine reduzierte Kontrastwahrnehmung verursachen. Entscheidend sind Befund und Sehziele.

Warum kann die Eignung nicht allein anhand der Brillenwerte entschieden werden?

Die Dioptrien sind nur ein Teil der Entscheidung. Vorderkammertiefe, Endothelzellzahl, Pupille, Hornhautform, Achslänge, natürliche Linse, Netzhaut, Sehnerv und persönliche Erwartungen können die Empfehlung verändern oder einen Eingriff ausschließen.

Medizinische Grundlagen

Weiterführende Fachinformationen.

Die Inhalte dieser Seite orientieren sich unter anderem an Patienteninformationen und Fachübersichten anerkannter medizinischer Institutionen. Produktzulassungen und geeignete Korrekturbereiche unterscheiden sich je nach Linsenmodell und Land.

Medizinischer Hinweis

Diese Seite ersetzt keine Untersuchung, individuelle Risikoaufklärung oder ärztliche Empfehlung. Ob CLE oder IPCL medizinisch vertretbar ist, kann erst nach vollständiger Diagnostik beider Augen entschieden werden.

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